Deutsch

Opfer-Abo: Unwort des Jahres 2012 in Deutschland

Opfer-Abo: Unwort des Jahres 2012

Jörg Kachelmann ist schuld: Das Unwort des Jahres 2012 ist Opfer-Abo. Der Wettermoderator kreierte den Begriff nach seinem Vergewaltigungsprozess 2010/2011. Frauen hätten in der Gesellschaft ein Opfer-Abo, rechnete Kachelmann 2012 im Spiegel-Interview ab. Falschanschuldigungen seien zum Massenphänomen geworden. Mit falschen Aussagen könnten Frauen ihre Interessen gegenüber Männern durchsetzen. Wie beim Wort des Jahres werden die Deutschen den Kopf schütteln – weil unbekannt.

Das Unwort des Jahres 2012 wurde am 15. Januar 2013 im Rahmen einer Pressekonferenz der Technischen Universität Darmstadt bekanntgegeben.

Sprachwissenschaftler küren Opfer-Abo

Der Jury um Prof. Dr. Nina Janich lagen mehr als 1.000 Vorschläge zur Bewertung vor. Eingereicht werden konnten sie bis 31. Dezember 2012. Die Hitliste führten die Unwortideen Schlecker-Frauen, Anschlussverwendung, moderne Tierhaltung, Ehrensold und Lebensleistungsrente an. Die Entscheidung fiel allerdings anders aus.

Opfer-Abo als kachelmannsches Unwort des Jahres wirkt im ersten Moment überraschend. Schließlich geisterte Opfer-Abo keinesfalls monatelang durch die Öffentlichkeit. Licht ins Dunkel bringen die Auswahlkriterien der Jury. Ihnen zufolge müssen Worte oder Formulierungen öffentlich geäußert, aktuell und belegt sein und „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“. Die Anzahl der Unterstützer eines Vorschlages spiele keine Rolle. Weitere Erklärungen sind auf der Internetseite der Aktion zu finden.

Die Jury begründet die Entscheidung für Opfer-Abo so (Auszüge der Pressemitteilung vom 15. Januar 2013):

Im Herbst 2012 sprach Jörg Kachelmann in mehreren Interviews (z.B. im Spiegel vom 8.10.2012) davon, dass Frauen in unserer Gesellschaft ein Opfer-Abo hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen. Das Wort Opfer-Abo stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.

Zur Bestätigung von Opfer-Abo wird das Missverhältnis zwischen weiblichen Vergewaltigungsopfern und tatsächlich erfolgten Anzeigen dargestellt:

Das hält die Jury angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei in nur bei 3-4 % der Fälle zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren kommt, für sachlich grob unangemessen.

Mit „Verstoß gegen die Menschenwürde“ und „bedenklicher Einfluss auf den Umgang mit sexueller Gewalt“ schließt die Begründung :

Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer. Die Jury urteilt damit in keiner Weise darüber, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können und somit auch nicht über den Fall Kachelmann. Sie kritisiert vielmehr einen Wortgebrauch, der gängige Vorurteile in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen bestätigt. Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaftlichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen.

Jörg Kachelmann ist diesmal tatsächlich schuld. Keine Debatten, keine Verhandlung, kein Wenn und Aber: Jörg Kachelmann ist schuld an Opfer-Abo, dem Unwort des Jahres 2012 in Deutschland.

Hat Kachelmann mit seiner Theorie des Opfer-Abos Recht? Können Frauen Männer mit Falschaussagen rund um sexuellen Missbrauch fertig machen? Realität oder Einbildung? Propaganda-Wortwahl oder Tatsache? Was meinen Sie?




0 Kommentare zu “Opfer-Abo: Unwort des Jahres 2012 in Deutschland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.